M o b i l i s s i m o  

Unterrichtskonzept zur Mobilitätserziehung in der Primar- und Sekundarstufe

 

 

 

Das Verkehrsmittelwahlverhalten junger Menschen zugunsten des Umweltverbundes stärken.

Der Individualverkehr entwickelt sich heute zunehmend vom Privileg des zwanzigsten zum Fluch des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Moderne Massenverkehrsmittel sind flächendeckend auf dem Rückzug, der öffentliche Personennahverkehr ist überwiegend defizitär und die Rückgänge der Fahrgastzahlen lassen eine weiterhin negative Entwicklung befürchten.

 

Dem gegenüber steht, dass es ausgereifte Lehr- und Erziehungs-angebote für Kinder und Jugendliche zur regelmäßigen und sicheren Nutzung des öffentlichen Personenverkehrs heute in Deutschland nur in Ansätzen gibt.

Verkehrserziehung wird zwar bundesweit mit großem Aufwand betrieben, beschränkt sich aber nahezu ausschließlich auf den Bereich der Unfallprävention und vernachlässigt den verantwortungsvollen Umgang mit Mobilität und grundlegenden Mobilitätsbedürfnissen junger Menschen.

 

Besonders die öffentlichen Nahverkehrsanbieter stehen vor einer Negativ-Spirale, die es mit neuen Mitteln zu durchbrechen gilt: Ein sinkendes ÖPNV-Angebot reduziert die Akzeptanz/Nachfrage, was wiederum Reduzierungen des Angebotes zur Folge hat. Es besteht akuter Handlungsbedarf, der auch auf politischer Ebene nahezu uneingeschränkt anerkannt wird.

 

Mobilität als problembehaftetes Thema spielt in der Lebendwelt unserer Kinder eine zunehmende Rolle, wird jedoch von den Schulen aufgrund mangelnder Unterrichtshilfen und Medien noch nicht ausreichend behandelt.

Von Seiten der Schulen gibt es allerdings eine große Bereitschaft, ausgereifte und zeitgemäße Unterrichtshilfen anzunehmen.

 

Hier setzt das Konzept „Mobilissimo“ an!

Mit einem Pilotprojekt in Bonn soll eine Einrichtung etabliert werden, in der Schüler und Schülerinnen der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 geschult werden, Massenverkehrsmittel selbständig und sicher zu nutzen. Diese Einrichtungen, der sogenannte „MobilissimoPark“, bestehend aus mindestens zwei Unterrichtsräumen in (oder an) einem zentral gelegenen Park, die mit dem ÖPNV gut zu erreichen ist.

 

Im Vorfeld des Besuches in diesem Park erhält jede Schulklasse ein Vorbereitungspaket mit Medien und Materialien zur Ausarbeitung der Themen sowie Freifahrtscheine des ÖPNV (als Beitrag des Verkehrsträgers) zur Einrichtung. Dort werden die altersgerechten Unterrichtsbausteine von unseren Pädagogen in enger Zusammen-arbeit mit den Klassenlehrern/Lehrerinnen vermittelt.

Neben den technischen Aspekten bei der Nutzung von Bus und Bahn, wie z.B. Lesen von Fahrplänen, Kauf der Fahrscheine und Festlegung der Fahrroute, sollen auch soziale, gesellschaftliche und ökologische Aspekte der Verkehrsmittelwahl thematisiert werden.

Material zur Nachbereitung wird ebenfalls bereitgehalten.

Angegliedert an die Unterrichtsräume befindet sich als besonderer Anziehungspunkt ein anspruchsvoller Mobilitätsspielplatz und eine großzügig angelegte Freiland-Modelleisenbahnanlage, auf der die Vorgänge des modernen Massenverkehrs nachgespielt werden können. Die Kinder entrichten einen Eintritt für Unterricht und Parkbesuch. Nachmittags und an allen schulfreien Tagen ist die Modellbahnanlage und der Spielplatz gegen Entgelt der Öffentlichkeit zugänglich.

 

Langfristiges Ziel ist es, auch anderen Kommunen in der Bundes-republik das Konzept „Mobilissimo“ anzubieten, um eine möglichst flächendeckende Verbreitung zu erreichen.

 

Als Äquivalent zur Radfahrausbildung zum Ende der Primarstufe soll insbesondere auch den Eltern die Sicherheit gegeben werden,  dass ihr Kind moderne Massenverkehrsmittel sicher nutzen kann.

Die Umsetzungsphase gliedert sich in die Teile A und B. Um mit Abschluss der Entwicklungsphase sofort die Umsetzung (Phase A) aufnehmen zu können, werden die entwickelten Curricula, Materialien und Medien sofort nach Fertigstellung eingesetzt. Da dies noch nicht im geplanten MobilissimoPark (Phase B) erfolgen kann, werden die Bausteine in zentral gelegenen Räumlichkeiten eines Aktionspartners (Verkehrsbetriebe) angeboten. So ist sichergestellt, dass die Ergebnisse der Entwicklungsphase unabhängig von der Zeitschiene der Umsetzungsphase B sofort zum Einsatz gebracht werden können.

 

Mobilissimo ist ein langfristig angelegtes Konzept, das mit seiner Pilotfunktion bundesweite Wirkung entfalten soll.

Diese nachhaltige Entwicklung kann nur erreicht werden, wenn das Projekt nach kurzer Zeit kostendeckend arbeitet, da in Anbetracht der finanziellen Lage der Kommunen - und speziell der öffentlichen Verkehrsträger - eine langfristige Subventionierung nicht zu erwarten ist.

Das Konzept trägt dem Rechnung mit dem Angebot der Freizeitanlage, die eventuelle Defizite aus der Lehrtätigkeit deckt.

 

MobilissimoPark ist attraktiv, denn er bietet

  • der Schule attraktive Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen, umfassende Betreuung und lückenlose Medien zur Vor- und Nachbereitung sowie kompetente Ansprechpartner,
  • den Schülern mehr Sicherheit und Mobilität sowie den Besuch einer außergewöhnlichen Modellbahn-Spielwelt,
  • den Eltern mehr Sicherheit bei der Beurteilung der Mobilitätsspielräume ihrer Kinder,
  • den Verkehrsbetrieben kurz-, mittel- und vor allem langfristige Kundenbindung an ihr Verkehrsmittel sowie einen beträchtlichen Image-Werbeeffekt,
  • der Partnerkommune ein außergewöhnliches Angebot und die Möglichkeit zur Profilierung als moderne umweltbewusste Stadt/Gemeinde mit hohem Wohnwert,
  • der gesamten Öffentlichkeit ein attraktives Ausflugsziel für Bürger jeden Alters.

 

Zusätzlich sollen die Schulungsräume eines MobilissimoParks für jede Art themenverwandter Veranstaltungen genutzt werden.

 

Die Arbeitsgruppe „Mobilissimo“ bereitet momentan die Gründung eines gemeinnützigen Vereines vor, der im April 2002 beim Amtsgericht Bonn eingetragen werden soll. Der Projektname steht beim Deutschen Patent- und Markenamt zum Schutz an und die Zusage des Arbeitsamtes zur Beschäftigung von zwei Medienent-wicklern/Pädagogen im Rahmen einer ABM-Maßnahme liegt vor.

Fördermittel zur Finanzierung der Entwicklungsphase sind beim Landesministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beantragt.

 

Im Rahmen der Zukunftskonferenz Bonn im Januar 2002 wurde das Konzept von Mitgliedern der Arbeitsgruppe vorgestellt und fand einhellige Zustimmung. Es wurde in seiner vorliegenden Form als Ergebnis der Zukunftskonferenz dokumentiert.

 

Bei der Landes-Agendakonferenz „Klimaschutz und nachhaltige Mobilität“ im Februar 2002 in Oberhausen wurde Mobilissimo ebenfalls präsentiert.

 

Das Konzept erfüllt alle vier Kriterien zur Anerkennung als NRW-Landes-Agendaprojekt:

-         Mobilissimo dient einer nachhaltigen Entwicklung,

-         bis Ende 2003 sind konkrete Ergebnisse des Projektes erreicht,

-         das Projekt ist von landesweiter Bedeutung und soll landesweit umgesetzt werden,

-         es wird in enger Kooperation mit verschiedenen Partnern (Institutionen, Unternehmen, Behörden und gesellschaftlichen Gruppen) realisiert.

 

Vertreter aller Ratsfraktionen der Stadt Bonn begrüßen das Konzept. Die Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin über das Projekt wird angestrebt.

 

Mobilissimo besteht aus aktiven Mitgliedern der Zukunftswerkstatt Oberkassel, Pädagogen, einer Schulleiterin, einem Fachbuchautor für Verkehrserziehungsmedien sowie weiteren interessierten Bürgern. Die Arbeit von Mobilissimo ist eingebettet in den Agenda-Prozess der Stadt Bonn und arbeitet eng mit dem Verein Zukunftsfähiges Bonn e.V. zusammen.

 

 

Kontakt:

Mobilissimo Bonn e.V

Berghovener Straße 107

53227 Bonn

Tel: 0228 / 4299780

E-Mail: mobilissimo@aol.com